Odo und Lupus 01 - Demetrias Rache by Gordian Robert

Odo und Lupus 01 - Demetrias Rache by Gordian Robert

Author:Gordian, Robert [Gordian, Robert]
Language: deu
Format: epub
Tags: Mittelalter, Karl der Große, Spannung, Mord, Ermittlungen historischer Roman
ISBN: 978-3-95520-254-5
Publisher: dotbooks
Published: 2013-04-30T16:00:00+00:00


7. Kapitel

Das Erscheinen des toten Mommo hatte der Gerichtsversammlung ein jähes Ende bereitet. Es war nicht einmal möglich, die Ordnung so weit wiederherzustellen, dass der Graf unseren Beschluss verkünden konnte. Wir versuchten dies auch gar nicht ernsthaft.

Ich glaube, wenn Siegram so geistesgegenwärtig gewesen wäre, die allgemeine Verwirrung zu nutzen, sein Pferd zu besteigen und zu fliehen, hätte ihn niemand verfolgt. Man hatte ihn fast vergessen. Ich selbst war später sogar überrascht, dass er im Untergeschoss des Saalhauses gefangen saß. Hrotbert hatte dies doch noch verfügt.

Was jetzt allein die Gemüter bewegte, waren der Mord am Zentgrafen Mommo und die seltsamen Umstände seiner Rückkehr als berittener Leichnam. Viele sahen ein großes Unglück voraus, wozu dies der himmlische Fingerzeig sein sollte. So offensichtlich irdisches Zutun war, ohne Gottes ausdrücklichen Befehl konnte ihrer Meinung nach kein toter Zentgraf auf ein lebendiges Pferd gelangen.

Aber auch vernünftige Überlegungen wurden angestellt. Der Pfeilschuss war zwar die Methode der Schufte, die irgendwo hinter Büschen lauerten, doch es war nicht deren Art, einen Ermordeten wieder nach Hause zu schicken. Also musste wohl mehr dahinter stecken. War man zu diesem Punkt gelangt, wurden die Stimmen gedämpft und man fragte sich, was das für ein Höllengaul war, dieser Impetus, den vor zwei Tagen noch der lebendige Herr Mommo geritten, den gestern Herr Hauk auf dem Markt verkauft und den der Königsbote erworben hatte, worauf er mit diesem zurückgekehrt, ihm aber heute abhanden gekommen war, um jedoch kurz darauf wieder aufzutauchen, nun mit dem toten Herrn Mommo im Sattel! Dies war ein eigenartiger circulus, ein schwerer Brocken, an dem überall mit Inbrunst gekaut wurde – auf dem Salhof, im Dorf, am Fluss, am Zaun, in den Scheunen und Ställen, im Backhaus, im Webhaus und natürlich in Petrissas Schänke.

Hier saß ich zur Dämmerstunde mit Rouhfaz in einer Ecke und wartete auf Odo.

Dabei waren wir nicht untätig. Es liegt nun einmal im Wesen des Menschen, dass er gewaltigen Respekt vor Machthabern hat, solange sie leben, doch auf sie spuckt, sobald sie tot sind. Der kleine König des Tals, Herr Mommo, war hier viele Jahre die Obrigkeit, denn den großen König kannte man nicht und auch der Graf ließ sich selten blicken. Und da die Obrigkeit von Gott ist, wie es in der Heiligen Schrift heißt, war man ihr untertan und schwieg. Noch am Morgen, beim Gang durch das Dorf, hatte ich fast nur zufriedene Bauern erlebt. Jetzt war der Zentgraf tot und man konnte sich endlich beschweren.

Die Erste, die an meinen Tisch stürzte und aus ihrem runzligen, zahnlosen Mund einen wahren Wasserfall von Beschwerden hervorbrachte, kannte ich schon. Es war dieselbe, die mir am Vormittag einiges zugeflüstert hatte und der ich schwören musste, sie nicht zu verraten. Sie sagte mir jetzt auch ihren Namen: Ermelinde, Witwe des Frotbert.

„Mommo hat alles genommen, was wir an Wertvollem besaßen! Einen Kupferkessel, zwei silberne Becher, sogar die fünf Goldmancusen, die mein Frotbert mal aus dem Krieg mitgebracht hatte … alles! Und warum? Weil Gaudulf, unser Nachbar behauptete, die Hufe hinter der Mühle gehöre nicht uns, sondern ihm. Angeblich hatte er als Kind seinen Großvater dort pflügen sehen.



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